Freitag, 24. Oktober 2008

Grabungsfirmen, die zweite

Dieser kleine Eintrag ist all denen gewidmet, die versuchen, in diesem Geschäft Fuß zu fassen. Zunächst gibt es da natürlich verschiedene Ausgangspositionen. Studenten, die sich etwas dazu verdienen wollen, Quereinsteiger, die als Grabungstechniker ihr Glück versuchen und natürlich Studienabgänger, die sich in der rauen Berufswelt etablieren wollen. Um es kurz zu machen, wer hartnäckig genug ist, kann es in diesem Berreich durchaus zu etwas bringen, aber leider gibt es auch in diesem Berufszweig nicht nur edle Gemüter. Um es gleich klar zu stellen, ich werde hier keine Firma an den Pranger stellen und auch keine Empfehlungen aussprechen. Wie in allen Berufszweigen ist auch hier etwas Köpfchen und Eigeninitiative gefragt. Für den Anfang gibt es eine kleine, nette Liste auf der Webseite der Uni Bamberg.
Hier sind die meisten Grabungsfirmen, nach Bundesländern geordnet, aufgeführt. Immerhin kann ich den einen oder anderen Tipp geben. So sollte man als "Grabungsfacharbeiter" auf Lohnsteuerkarte in jedem Falle einen zweistelligen Stundensatz haben. Bei Firmen, die weniger bezahlen, ist Vorsicht geboten. Viele Firmen beauftragen selbständige Archäologen, die auf Rechnung arbeiten. Eine solche selbständige Tätigkeit sollte man aber nur nach reiflicher Überlegung in Angriff nehmen. Denn wenn man sich zu sehr von einem Auftraggeber abhängig macht, läuft man in Gefahr, als "Scheinselbstständig" zu gelten. So weit ich weiss gibt es da einige Kriterien, die man nicht erfüllen sollte. So sollte man nicht weisungsgebunden sein und nicht mehr als 90 Prozent seiner Arbeitszeit für einen Auftraggeber arbeiten (Angaben ohne Gewähr). Ich habe mich damals zu Beginn meiner Tätigkeit freiwillig überprüfen lassen und hatte nach erfolgreichen Bestehen eine Sorge weniger. Denn es kann zu Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen kommen (wie gesagt, Angaben ohne Gewähr). Heute arbeite ich auf Lohnsteuerkarte als normaler Angestellter und bin damit auf der sicheren Seite.
Über die Tarife für Grabungstechniker bin ich leider nicht so ganz orientiert, aber soweit ich weiss müssten 15-17  EUR Stundensatz auf Lohnsteuerkarte eingermaßen verbreitet sein. Was Grabungsleiter anbetrifft, gibt es leider immer noch sehr viele, die weniger als 20 EUR Stundensatz verdienen, aber hier gibt es auch Unterschiede. So sind bei denjenigen, die als Selbsständige arbeiten, 2 bis 3 EUR dazu zu rechnen, da Selbständige den Arbeitgeberbeitrag selbst schultern müssen.
Ich hoffe, ich konnte mit diesem Leitfaden ein wenig weiterhelfen, wie gesagt, für Fragen und Kritik bin ich immer offen. Leider tauschen sich Archäologen über ihre Verdienste viel zu wenig aus, was natürlich den Missbrauch Tür und Tor öffnet.

Grabungsfirmen

Heute möchte ich kurz auf sog. "Grabungsfirmen" eingehen. Für alle, die nicht wissen, um was es sich dabei handelt, hier eine kurze Einführung. Im Prinzip sind es Firmen, die sich auf archäologische Grabungen spezialisiert haben. Das Ganze funktioniert in etwa folgendermaßen: Ein Bürgermeister will z. B. in seiner Gemeinde ein neues Baugebiet ausweisen. Nun wandert so ein Bauantrag durch diverse Behörden und sollte im Normalfall auch bei der Abteilung Bodendenkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege landen. Diese Abteilung stellt nun fest, das in der Nähe bereits archäologische Funde gemacht wurden und verfügt nun zunächst, dass der Oberbodenabtrag (Wegbaggern des Humus) durch einen Archäologen beobachtet wird. Diese Massnahme übernimmt nun eben die Grabungsfirma. Im Landesamt gibt es eine Liste mit Firmen, die nun an den Bauherrn, in dem Fall die Gemeinde, gesendet wird. Der Bürgermeister kann nun durch eine Ausschreibung die günstigste Firma herausfinden und nach Erteilung der Grabungsgenehmigung durch das Amt kann nun die Massnahme beginnen.

Das Ganze ist natürlich etwas verkürzt dargestellt und wie so vieles in unserer Zeit etwas bürokratisch. So werden beim Erteilen der Grabungsgenehmigung und dem Schriftverkehr schon einige dutzend Seiten bedrucktes Papier erzeugt. Nun stellt sich natürlich die spannende Frage, wer bezahlt nun das Ganze? Nun ich fürchte, in dem oben geschilderten Fall hat der Bürgermeister den schwarzen Peter. Der kann natürlich die Grabungskosten auf die Preise der Baugrundstücke umlegen, aber das steigert die Atraktivität der Baugrundstücke nicht unbedingt. Darüber hinaus kann es natürlich auch passieren, was durchaus häufiger vorkommt, das bei der Beobachtung des Oberbodenbatrages tatsächlich etwas gefunden wird und eine Grabungsmaßnahme durchgeführt wird. Diese wird oft von derselben, je nach Kapazität manchmal auch von einer anderen Firma übernommen.

Übrigens ist die Übernahme der Kosten durch den Verursacher, also den Bauherrn, soweit ich weiss mittlerweile von einigen Bundesländern sogar gesetzlich geregelt. Auch wenn diese Regelung für viele Archäologen Lohn und Brot bedeutet, ist sie aber vielleicht nicht unbedingt sozial. Eine Verteilung der Belastung auf mehr Schultern wäre meiner Ansicht nach gerechter. Aber der Versuch "Kultur" zu privatisieren hat schon manch seltsam skurriles zu Stande gebracht.

Für Kritiken und Korrekturen bin ich übrigens jederzeit offen.