Mittwoch, 27. Februar 2013

Rezension: Wurde Amerika in der Antike entdeckt?

Wer meine Artikel bei suite101 und in diesem Blog gelesen hat, wird meine Vorliebe für Antike Seefahrt kennen, insbesondere durch die Karthager und Römer. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, das ich auf ein Buch von Hans Giffhorn aufmerksam wurde, mit dem Titel: "Wurde Amerika in der Antike entdeckt? Karthager, Kelten und das Rätsel der Chachapoya." Giffhorn ist Professor i. R. für Kulturwissenschaften an den Universitäten Göttingen und Hildesheim. Er produzierte neben seinen Forschungen auch Dokumentarfilme für ARD, ZDF und Arte, und unternahm bisher rund 50 Reisen rund um den Globus.

Auf einer seiner Reisen nach Südamerika wurde Giffhorn auf die präkolumbianische Kultur der Chachapoya Indianer aufmerksam, die im heutigen Nordostperu siedelten. Sie wurden am Ende des 15. Jh. von den Inkas nach langen Kämpfen unterworfen. Als Pizarro mit seinen Soldaten das Inkareich eroberte, schien sich das Blatt zu wenden, doch eingeschleppte Krankheiten durch die Spanier führten schließlich zum Untergang der Chachapoyas.

Die Eroberer berichteten allerdings seltsames. So seien die Chachapoyas "weiser" als die anderen Indianer, was sogar zu Interpretationen führte, unter den Chachapoyas hätte es blonde und rothaarige Menschen gegeben. Daher blieb es nicht aus, dass während der Nazizeit Theorien von europäischen Kulturbringern wild ins Kraut schossen. Somit sind Theorien, die den Ursprung der Chachapoyas in Europa suchen natürlich besonders heikel, aber Giffhorn hat mit viel Elan Indizien zusammengetragen, die nach seiner Ansicht auf eine Verbindung mit den antiken Kartagern hinweisen. Diese hätten sich mit ihren Verbündeten, auf der iberischen Halbinsel siedelnden Kelten und Einwohnern der Balearen, zu einer grossen Reise aufgemacht, als Karthago im 3. punischen Krieg endgültig unterging. Die Reise führte nach dieser Theorie zunächst an der Küste Afrikas entlang, dann mit der Strömung und vorherrschenden Winden über dem Atlantik an die Küste des heutigen Brasiliens, und schliesslich den Amazonas hinauf bis zu den Ausläufern der Anden.

Das Buch ist spannend geschrieben und trotz seiner auf dem ersten Blick weit hergeholten Theorie durchaus wert gelesen zu werden. Giffhorn stößt hier in eine Forschungslücke, da bisher über dem Ursprung der Chachapoyas wenig bekannt ist. Allerdings hat er, wie gesagt, eine Indizienkette zusammengetragen und um so eine spektakuläre Theorie zu beweisen, braucht es dennoch ein bischen mehr. Das heist aber noch nicht, das alles haltlos wäre. Besonders in letzter Zeit häufen sich die Indizien, das Karthager möglicherweise tatsächlich nach Amerika verschlagen wurden. Ihre Handelswege an der Küste Westafrikas sind bekannt, und aus der beginnenden Neuzeit sind Fälle von solchen Verschlagungen, wie Giffhorn bemerkt, belegt. Ein anderes Indiz ist ein karthagischer Münzschatzfund auf den Azoren, auf dem ich bereits hier eingegangen bin.

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, auch wenn ich nicht mit allen Gedankengängen des Autoren konform gehe. Weitere Artikel zu möglichen antiken Seereisen über dem Atlantik sind hier und hier zu finden.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Tipps für Linux: Die "Home" Partition

Eingefleischte Linux Fans kennen das Problem: Man möchte seine Linux-Distribution auf eine neue Version updaten aber seine Daten behalten. Wenn man aber nicht schon vorher beim Partitionieren dieses Problem bedacht hat, kann man eigentlich nur wie z. B. bei Debian oder Ubuntu durch updaten der "sources.list" und schließlich per "apt-get dist-upgprade" sein System auf den neuesten Stand bringen. Auch opensuse bietet eine ähnliche Funktion an. Allerdings können sich durch dieses Vorgehen auch Fehler im System einschleichen. Der weisere Weg ist eine komplette Neuinstallation. Wie kann man aber seine Daten erhalten? Dies geht in der Regel nur, wenn man schon zu Beginn, wenn man den Rechner auf Linux umstellt, eine extra "/home" Partition anlegt. Nähere Informationen zur "/home" Partition gibt es hier.

In dem /home/"Username" Verzeichnis befinden sich diverse versteckte Konfigurationsdateien, die man aber nicht unbedingt alle in die neue Distributionsversion mitnehmen sollte. Wichtig sind z. B. Mail-Konfigurationen wie ".thunderbird" oder Browserkonfigurationsdateien wie ".mozilla". Wenn man Linux das erste Mal installiert, sollte man zumindest eine "swap", eine "/" und eine "/home" Partition anlegen. Die "/" Partition sollte je nachdem wieviel Ṕakete man installiert, etwa 10 bis 20 GB haben. Den Rest kann man für "/home" reservieren. Das alles kann man während der Installation konfigurieren, manche Distributionen schlagen auch eine Partitionierung mit einem "/home" Verzeichnis vor, so das es etwas einfacher geht. Beim Update einer Distribution muss man nur darauf achten, das man beim Installieren manuelle Partitionierung wählt. Die "/home" Partition muss man dann wieder neu einbinden. Man sollte natürlich aufpassen, das man dabei nicht versehentlich formatiert.

Auch wenn man die Linux-Distribution wechselt, kann man auf diese Weise seine Daten und Konfigurationsdateien mitnehmen. Das ist natürlich etwas verkürzt dargestellt und es empfielt sich vor dem Installieren die wikis der diversen Distributionen ansehen.

Edit: Wenn man einige der versteckten Konfigurationsdateien nicht löscht, kann es besonders bei einem Wechsel der Distribution zu unerwarteten Effekten kommen. So sollte man am besten beim löschen der versteckten Dateien eine Live-CD benutzen, die Lese und Schreibzugriff auf die "/home" Partition ermöglicht. Gute Erfahrungen habe ich dabei mit einer Fedora-Live CD gemacht. Wenn man einfach das alte Betriebsystem startet, und die versteckten Dateien löscht, stellen sie sich z. T. wieder her. Wenn die Installation des neuen Systems abgeschlossen ist, kann dies zu merkwürdigen Aussehen des Desktops führen. So z. B. wenn man die gleiche Desktopoberfläche benutzt, z. B. xfce, aber eine andere Distribution. Dabei sollte auch der Ordner "Desktop" oder "Arbeitsfläche" gelöscht werden. Man muss sich etwas heran tasten, welche Ordner man stehen lässt und welche nicht. Und natürlich sollte man immer ein Backup seiner Daten machen.

Insgesamt ist diese Methode etwas schwieriger als das normale "dist-upgrade", aber am Ende hat man ein frisches, neues System.